Archiv für März 2010

Protokoll AVV 13.03.2010

Berlin: Autonome Vollversammlung 13.03.2010
Am 13. März 2010 fand die monatliche Autonome Vollversammlung (AVV) in Berlin statt. Im New Yorck 59 versammelten sich etwa 40 Personen, um sich über autonome Politik zu informieren und sich auszutauschen. Neben dem Konflikt um den Veranstaltungsraum Schnarup-Thumby wurde über die AVV-Struktur diskutiert. Terminankündigungen für den nächsten Monat und weitere Themen kamen auch nicht zu kurz.
Struktur der Autonomen Vollversammlung

Nachdem verschiedene Terminankündigungen vorgetragen wurden, begann die Diskussion über die Struktur der Autonomen Vollversammlung. Es wurde vorgeschlagen diesen Punkt (nach hinten) zu verschieben, doch dem folgte eine Gegenrede. Schon im Februar wurde dieses Thema an letzter Stelle besprochen und zuvor stundenlang über andere Dinge diskutiert, sodass viele Menschen schon gegangen waren bevor sich über die Struktur „unterhalten“ wurde. Dort waren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dann zum Schluss gekommen, dass die Autonome Vollversammlung „do-it-yourself“ organisiert werden sollte. Nun wurde aber vorgetragen, dass das nicht funktionierte und wieder die ganze Organisation in den Händen von Einzelpersonen gelegen hatte.

Die Konzepte DIY, feste Vorbereitungsgruppe und themenbezogene Vorbereitungsgruppe wurden kurz nebeneinandergestellt. Dann wurde entschieden, dass jede AVV ein Schwerpunktthema haben soll und es dafür jeweils eine themenbezogene Vorbereitungsgruppe gibt, die dann zum Thema den inhaltlichen Input gibt. Daneben könnte es dann wie immer andere bzw. aktuelle Themen geben. Einige meinten, dass das mit den zu beredenden Themen sich von Woche zu Woche ändert, und von daher es nicht sinnvoll wäre alle Punkte schon im Vormonat festzulegen.

Für den nächsten Monat wurde beschlossen, sich Leute einzuladen, die der AVV über Reclaim Tempelhof (8.Mai) und den 1. Mai Input liefern. Besonders die Neonaziaktivitäten am 1. Mai kamen zur Sprache bzw. interessierten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Dann wurde erwähnt, dass ein grosser Teil der Flyer nicht abgeholt und verteilt wurde. Es wurde vorgeschlagen Plakate drucken zu lassen und in den Projekten und Szenekneipen, die allgemein für die AVV werben. Für verschiedene Aufgaben fanden sich einige Personen, für die Flyer und Plakate hingegen fand sich niemand. Es herrschte die Meinung: „Das klappt schon, hat doch auch letzten Monat geklappt.“ Aber diesmal klappte es nicht und es wird für den April keine Flyer und keine Poster geben. Zu kritisieren ist auch, dass sich zwar einige Menschen für Arbeit bereitfanden, diese aber nicht machten. So sollte das Protokoll maximal eine Woche nach der AVV veröffentlicht sein und u.a. der Termin für die nächste AVV in den Stressfaktor gestellt werden. Beides geschah nicht. Nur mit Hilfe einer Parallelstruktur, die sich übrigens, mit einer Ausnahme, in den letzten Monaten um die Flyer und um die sonstige Werbung kümmerte, und durch den gleichbleibenden Termin, jeder 13. im Monat, wussten wenigstens ein paar Leute von der AVV.

Scharni 38 vs. Schnarup-Thumby

Der dritte Punkt war dann der Konflikt zwischen dem Schnarup-Thumby und dem Hausprojekt Scharni 38. Die Scharni 38 – siehe:  http://s38.info – ist ein Hausprojekt in Berlin-Friedrichshain. Im Haus gibt es einen Veranstaltungsbereich, das Schnarup-Thumby. Die Bewohner und Bewohnerinnen der Scharni 38 hatten sich durch Austauschen der Schlösser den Veranstaltungsraum angeeignet, obwohl es funktionierende linke Veranstaltungskollektive gegeben hatte und diese somit ausgesperrt waren.

Einige Gruppen aus dem Schnarup-Thumby – siehe:  http://schnarupthumby.blogsport.de – traten darum an die AVV mit der Bitte heran, sich für ihre Belange einzusetzen und die Scharni 38 aufzufordern sich nicht länger einer (öffentlichen) Diskussion und nicht-autoritären Konfliktlösung zu entziehen. Der Konflikt zwischen Haus und Veranstaltungsraum nutzende Gruppen gab es wohl schon seit langen. Die anwesenden Personen aus den Schnarup-Thumby-Kollektiv benannten den Konflikt u.a. als Konflikt zwischen Antiimps und Antideutschen. Personen aus dem Hauskollektiv waren nicht anwesend. Trotzdem war der Input nicht einseitig, da das Schnarup-Thumby-Kollektiv einen Reader mit den Erklärungen beider Parteien angefertigt und verteilt hatte. Zudem erklärten die Person ais dem Schnarup-Thumby die Situation recht gut:

Das Haus hatte sich mit Hilfe des Miethäusersyndikats selbst gekauft, jedoch nur unter der Bedingung, dass das Schnarup-Thumby-Kollektiv (als Verein) in den Veranstaltungsräumen bleibt. Dann gab die ersten Probleme. Es wurde von der Scharni 38 versucht auf das autonome Schnarup-Thumby-Kollektiv einzuwirken, damit eine Veranstaltung, der Inter-Abend, nicht mehr im Schnarup-Thumby stattfindet. Daneben gab es anscheinend noch einige persönliche Auseinandersetzungen, zumindest schwang das in den Ausführungen der anwesenden Personen aus dem Kollektiv mit. Das führte dann dazu, dass versucht wurde, die Entscheidungsfindungen mit Vetos zu blockieren, bis dann das Schnarup-Thumby-Kollektiv vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Das Scharni 38-Kollektiv wechselte einfach die Schlösser des Schnarup-Thumbys aus. Seitdem finden (fast) keine weiteren Veranstaltungen mehr in den Veranstaltungsräumen statt. Anscheindend will das Scharni 38-Kollektiv nun ein neues Veranstaltungsraum-Kollektiv gründen, das Schnarup-Thumby unter neuen Namen weiterführen. In einer Erklärung äusserte sich das Haus zu dem faktischen Rausschmiss und signallisierte nicht diskutieren zu wollen.

Die Autonome Vollversammlung sah sich nun mit der Bitte des Schnarup-Thumby-Kollektivs konfrontiert, die Scharni 38 zu einer Freiraum-Vollversammlung in den Räumen des Schnarup-Thumbys aufzufordern. Diese Freiraum-Vollversammlung soll der Anstoss dafür sein, um für alle Seiten eine Lösung zu finden. Einige in der AVV fanden es sehr wichtig, dass interveniert wird. Andere fanden den Konflikt einseitig dargestellt. Es entbrannte eine Diskussion darüber, ob die AVV überhaupt eine Entscheidung finden kann und ob das Wort „fordern“ benutzt werden sollte.

Schliesslich entschied die Autonome Vollversammlung, dass eine Kommunikation und Diskussion zwischen den beiden Parteien sinnvoll ist und sich eine Freiraum-Vollversammlung in den Räumen des Schnarup-Thumbys gewünscht wird. (Es fand jedoch keine Abstimmung bzw. keine klare Entscheidungsfindung statt, was zusätzlich die merkwürdige „Entscheidungsfindung“ der AVV kritisieren sollte.) Einige wünschten sich die VV, andere forderten sie und noch andere entzogen sich ganz oder teilweise der Diskussion. Negativ zu bemerken ist ganz klar, dass innerhalb „der Szene“ lieber hinter dem Rücken geredet und ausgegrenzt wird, anstatt offen und ehrlich über Probleme zu diskutieren.

Erklärung der AVV zum Konflikt „Scharni 38 vs. Schnarup-Thumby“

Die Autonome Vollversammlung wünscht sich, dass im Schnarup-Thumby eine Freiraum-Vollversammlung stattfindet, die den Konflikt zwischen Scharni 38-Kollektiv und Schnarup-Thumby-Kollektiv zum Thema hat und an dem auch beide Parteien, Scharni 38-Kollektiv und Schnarup-Thumby-Kollektiv, teilnehmen.

Soligruppe für Laurynas

Anschliessend wurde kurz dazu aufgerufen eine Soligruppe für Laurynas zu gründen. Laurynas nahm im März 2009 an einer Freiraumdemonstration teil und griff dort ein Polizeiauto und einen Polizisten an. Aufgrund von Youtube-Videos wurde er dann Tage später beim Spazierengehen verhaftet. Laurynas wurde schliesslich zu 12 Monaten Gefängnis rechtskräftig verurteilt und muss zudem 6 Monate Bewährungswiderruf absitzen. Bis zu seiner Entlassung im September 2010 braucht er dringend Unterstützung. Unter folgende Adresse könnt Ihr Laurynas schreiben: Laurynas Mogila, JVA Charlottenburg, Buch Nr. 34/10/0, Friedrich-Olbricht-Damm 17, 13627 Berlin – Eine Soligruppe fand sich noch nicht, aber verschiedene Briefe von ihm wurden schon veröffentlicht. Siehe:  http://de.indymedia.org/2010/03/276777.shtml

Abschliessend gab es dann noch ein paar Informationen zu den geplanten Aktionstagen zum Thema „Soziale Frage“. Auch das „Köpi-Bashing auf Indymedia“, so nannte das eine Person, wurde zu guter Letzt angesprochen. Zum eigentlich geplanten Thema „Syndikalismus in Italien“ war keine Person da, die Input geben konnte.

Die nächste Autonome Vollversammlung (AVV) findet wie gewohnt am 13. April 2010 ab 19 Uhr 30 im New Yorck (Bethanien) statt. Neben den beiden Schwerpunktthemen „Reclaim Tempelhof“ und „1.Mai“ werden Bewohner und Bewohnerinnen des Hausprojekts Kreutziger 19 über die Konfliktsituation in ihrem Haus berichten. Die Bewohner und Bewohnerinnen der Kreutziger 19 brauchen dringend Unterstützung, da es Gewaltandrohungen gegen sie gab. Awarenessgruppen und antifaschistische Gruppen sollten sich unbedingt mit dem Haus kurzschliessen!!

Eine Autonome Vollversammlung gibt es jetzt nicht nur mehr in Berlin, sondern auch in anderen Städten. Das finden wir gut und freuen uns auf einen gemeinsamen Austausch!

Aachen –  http://infoladenaachen.blogsport.de/2010/03/16/autonome-vollversammlung-am-20-maerz-2
Bremen –  http://bremerplenum.blogsport.de
Hamburg –  http://autonomevvhamburg.blogsport.de