Archiv für Juli 2010

Protokoll AVV 13.07.2010

Berlin: Autonome Vollversammlung 13.07.2010

Auf Grund des guten Wetters fand die Autonome Vollversammlung diesen Monat nicht im sondern vor dem Südflügel des Bethanien statt. Um die 30 Personen fanden sich dazu ein. Wie auf der letzten AVV (siehe Protokoll-History ganz unten) geplant sollte es diesmal hauptsächlich um das Thema Vernetzung mit AVVen in anderen Städten gehen. Neben diesem Punkt, der auch den größten Teil der Zeit beanspruchte wurden folgende Punkte besprochen:

1.Herbststeine in Berlin
2.Vernetzung mit anderen AVVen
3.NoBorder-Camp in Brüssel
4.InterSquat in Berlin
5.Termine
6.Ausblick

Noch eine letzte Bemerkung vorab: auch wenn ich versuchen werde das Protokoll so objektiv wie mir möglich zu schreiben, kann ich am Ende nur meine eigenes Erleben schildern. Solltet ihr den Eindruck haben etwas ist falsch oder nicht im richtigen Umfang dargestellt worden, dann ergänzt bitte freizügig.

1. Herbststeine(2.10 bis 10.10. – Berlin – Infos: cactuz@so36.net)

Inspiriert durch die MaiSteine aus dem Jahr 2004, die den jährlichen Aktionen um den ersten Mai inhaltlich ergänzen wollten und den WBA-Tagen hat sich eine Struktur entwickelt, die für den Herbst diesen Jahres, genauer vom 2.10. – 10.10. eine Aktionswoche plant. Thematisch soll es vor allem um Stadt, Soziales, Kommerzialisierung, Gentrifizierung, Militarisierung und freie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gehen. In dem Zeitraum sollen verschiedenste Veranstaltungen und eine bunte Mischung von Aktionsformen diese Themen öffentlichkeitswirksam in die Stadt tragen. Dafür werden noch motivierte Einzelpersonen und interessierte Gruppen gesucht, die sich beteiligen bzw. einbringen wollen. Neben wöchentlichen Treffen in der „Zeitzone“ (Adalbertstraße / Waldemarstraße) ist auch eine Informationsveranstaltung im Mehringhof geplant, für die im Moment aber noch kein Termin fest steht. Auch an einem Aufruf wird gearbeitet. Bei Interesse oder Rückfragen meldet euch.

2. Vernetzung mit anderen AVVen

Wie schon zum Ende der letzten AVV angeschnitten, wurde dieses mal ausgiebig über die Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen AVVen gesprochen. Dabei kamen wieder auch einige Fragen zum Selbstverständnis der Berliner AVV auf.
Den Einstieg machte die Frage, wer bereit wäre als quasi-Entsannte nach Hamburg zur AVV am 15.07. in die „Rote Flora“ mit zu fahren. Nach dem sich einige gefunden hatten, wurde darum gebeten dann bei der nächsten Berliner AVV darüber zu berichten.Als nächstes wurde die AVV Bremen vorgestellt. Diese ist aus dem Autonomie-Kongress hervor gegangen und trifft sich seit mehreren Monaten jeden zweiten Sonntag (gerade Kalenderwochen), ab 19 Uhr 30, im Sielwallhaus. Ähnlich wie in Berlin sei die Anzahl der Besucher_innen auch dort stark von den gewählten Themen abhängig, außerdem haben es bei den letzten Treffen wohl immer weniger Menschen schaffen können, vorbei zu kommen. Zuletzt wurde in Bremen thematisch vor allem über die „Feierlichkeiten“ am 3.Oktober und die Frage „Was ist autonome Politik?“ (Konspiration vs. Öffentlichkeitsarbeit). diskutiert. Auch die Idee sich mit den anderen AVVen zu vernetzen wurde in Bremen bereits angesprochen und auch aus der Bremer AVV werden Entsannte in die anderen AVVen fahren um einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Ähnlich wie in Hamburg organisieren sich die Bremer mit einem Mail-Verteiler und einer Website.
Darüber hinaus gibt es AVVen in Köln und Aachen auf die jedoch nicht weiter eingegangen wurde.Dieser Bericht führte die Anwesenden zu ein paar zentralen Fragestellungen:

Gibt es ein Bedürfnis nach Vernetzung?

Trotz der sehr losen Strukturierung der AVV Berlin gibt es ein Bedürfnis auch nach einer bundesweiten Vernetzung, denn auch hier gilt es der Vereinzelung entgegen zu treten. Wie die Berichte aus Bremen deutlich machen geht es dort um ähnliche Themen und schon allein deswegen bietet sich eine Vernetzung an.

Was erwarten wir von der Vernetzung?

Ein wichtiger Punkt, der geäußert wurde war, dass die AVVen als Raum für bundesweite inhaltliche Debatten wie z.B. über Militanz oder Repression genutzt werden sollten. Hieraus könnten sich dann im weiteren Verlauf auch bundesweite Aktionen entwickeln. Außerdem wurde zurecht darauf verwiesen, dass durch eine engere Vernetzung mit den AVVen anderer Städte auch die Möglichkeiten der Mobilisierung zu Aktionen verschiedenster Art steigen könnte. In diesem Zusammenhang wurde kurz auch die Frage nach einer europäischen Vernetzung angesprochen. Da keine der anwesenden Personen wusste, ob es in Europa weitere AVV-änliche „Strukturen“ gibt, konnte diese Frage nicht abschließend geklärt werden.

Wie wollen wir uns vernetzen?

Zu diesem Punkt wurde vor allem kritisch angemerkt, dass es schon auf lokaler Ebene schwer ist eine Hierarchie-freie dezentrale ungesteuerte Vernetzung zu erreichen. Wie das, von persönlichen Besuchen abgesehen, auf nicht-lokaler Ebene funktionieren soll, ist schwer vorstellbar. Ein Vorschlag um diesem Dilemma zu entgehen war das einrichten einer Website und eine verstärkte Vernetzung über das Internet. Aber auch der Austausch von Diskussionsartikeln zwischen den AVVen wurde erwogen. Hier wäre es insbesondere interessant, was die anderen AVVen für weitere Ideen haben. Ein Ergebnis der Diskussion in diesem Punkt ist, dass es auf den Berliner AVVen in Zukunft, wenn möglich jedes mal, einen Punkt auf der Tagesordnung geben soll, an dem die Diskussionen und zumindest die Kernthemen, die auf den anderen bekannten AVVen diskutiert wurden, zusammengefasst und kurz besprochen werden sollten. Dies wäre vielleicht auch für die anderen AVVen eine Möglichkeit um zumindest thematisch Kontakt zu halten. Da es für diesen Punkt keine direkt verantwortlichen geben wird, liegt es an uns allen in Vorbereitung auf die nächste AVV die öffentlichen Protokolle der anderen zu lesen und zusammen zu fassen.

Was wollen wir eigentlich von unserer AVV?

Parallel zu den Fragen die sich eher mit der Vernetzung der AVVen beschäftigten kamen in diesem Rahmen immer wieder auch Punkte auf, die das Selbstverständnis der Berliner AVV betrafen. Es wurde deutlich, dass die Anwesenden teilweise mit sehr unterschiedlichem Anspruch an der AVV in Berlin teilnehmen. Einerseits ist die AVV ein Ort für Mobilisierung, Vernetzung und Koordination von Aktionen, andererseits soll sie aber auch ein Ort sein an dem eine Perspektive auf ein besseres Leben entwickelt werden soll. Es sollen inhaltliche Themen besprochen werden und sie soll als Plattform zum gegenseitigen persönlichen Austausch dienen. Auch für Analysen, Eindrucksschilderungen und Nachbereitungen von Aktionen, die häufig zu kurz kommen, muss die AVV Platz bieten. Im Idealfall soll der gegenseitige Austausch der Beteiligten, die aus verschiedensten Zusammenhängen und links-politischen Spektren kommen, dazu führen gemeinsame Arbeitsgruppen und Aktionen aufzubauen. Es wurde allerdings hier darauf hin gewiesen, dass die AVV Berlin insbesondere wegen ihrem sehr offenen Charakter nicht unbedingt der geeignete Ort ist um direkte Aktionen vorzubereiten. Aber vielleicht kann sie ja der Ort sein, an dem sich Menschen kennen lernen, die dann später einmal miteinander in kleineren Zusammenhängen ihre Vorstellungen direkt umsetzen.
Immer wieder kamen wir hier auch zu der Frage, wie die AVV organisiert werden soll / kann. Es wurde eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem momentanen Veröffentlichen der Protokolle auf Indymedia deutlich. Nach einer sehr detailreichen Diskussion über (Un)Möglichkeiten eines dezentral verwalteten Website-Systems (Wollen wir Menschen die gleicher sind als andere, weil sie die Website betreuen? Was ist, wenn die in 3 Monaten nicht mehr kommen? Brauchen wir einen/keinen/mehrere Administrator_innen? Wer soll das Passwort kennen?). Am Ende einigten wir uns darauf, dass eine interessierte Gruppe bis zur nächsten AVV ein Konzept ausarbeiten soll um es dort zu präsentieren.Eine Mail-Adresse besteht bereits, an die auch thematische Vorschläge für kommende AVVen gerichtet werden kann. Meldet euch dazu bei autonome_vollversammlung@riseup.net

3. NoBorder-Camp(25.09. bis 02.10. – Brüssel – Infos: www.noborderbxl.eu.org)

In Brüssel findet diesen Herbst das NoBorderCamp 2010 statt. In der Aktionswoche, in der unter anderem für den 29.09. viele Gewerkschaften für eine große Demonstration mobilisieren, soll es verschiedenste Workshops und Aktionen geben, die sich mit europäischer Innen- und „Sicherheits“-Politik, Migration und Asyl beschäftigen. Als Abschluss ist eine große Demo durch die Camp-Organisator_innen für den 02.10. geplant. In Berlin hat sich ein Vorbereitungskreis gebildet, der nach Brüssel mobilisieren und bei genügend Interesse auch die gemeinsame Anfahrt mit Bussen organisieren will. Dies betreffend gibt es eine Informationsveranstaltung am 05.08. im Bethanien. Weitere Info- und Mobilisierungsveranstaltungen sind für Anfang September geplant.
Am 20. und 21. August gibt es das letzte internationale Organisationstreffen in Brüssel. Auch dort ist Mithilfe gern gesehen. Mehr Infos dazu gibt es ebenfalls am 05.08. im Bethanien auf der Infoveranstaltung.

4. InterSquat(10.09. bis 19.09. – Berlin – Infos: intersquatberlin.blogsport.de)

Die Organisationsgruppe die das InterSquat-Festival in Berlin plant, ruf alle Interessierten dazu auf Vorschläge für Workshop, Infoveranstaltungen, Demos, Reclaim-the-Streets, Konzerte, Partys und viele andere Aktionen einzubringen. Das Festival basiert auf dem „Do-it-yourself“-Prinzip. Wer sich einbringen will und sich bis zum 13.08. meldet, kommt mit auf das gedruckte Programm. Alle Ideen, die danach kommen sind natürlich auch gerne gesehen, werden dann aber nicht mehr im gedruckten Programm auftauchen können. Im Moment sucht die Gruppe noch nach einem brauchbaren Ort in Stadtnähe und kreative Mitstreiter_innen. Aus ganz Europa haben sich bereits Menschen angekündigt die für dieses Festival nach Berlin kommen wollen. Mobilisierungsmaterialien könnt ihr im Laufe der Woche auf der Website finden.

5. Termine

Mi, 14.07. – 20.00 Uhr – Kampagne „Tatort Kurdistan“ im Bethanien
Do, 15.07. – 19.30 Uhr – Autonome Frauen_Lesben_Trans*-Vollversammlung im Bethanien
Mo, 19.07. – 16.00 Uhr – Antikriegs-Café im Bethanien (Vorbereitungen zum Gelöbnix)
Di, 20.07. – 16.00 Uhr – GelöbNix, diesmal vermutlich dezentral im Tiergarten
Do, 05.08. – ??.?? Uhr – Infoveranstaltung „NoBorder-Camp 2010″ im Bethanien

6. Ausblick

Für die nächste Berliner AVV, die am 13.08. um 19.30 Uhr im Bethanien sein wird, wurden drei Themenschwerpunkte ausgewählt:

(1) Vorstellung der Website
(2) Vernetzungsergebnisse
(3) Demonstrationen als Protestform

Insbesondere der letzte Punkt sollte noch etwas genauer beschrieben werden: Erfahrungen der letzten Monate haben deutlich gemacht, dass linke Demonstrationen mit Block-Konzept nicht immer das beste Mittel sind um die eigenen politischen Standpunkte auf die Straße zu bringen, da sie von der Polizei einfach zu kontrollieren sind. Ist es sinnvoll auf Demonstrationen auf freiere Konzepte zurück zu greifen? Wie können diese Aussehen und wie lassen sie sich organisieren?

In einer der kommenden AVVen im Herbst soll das Thema „Sexismus in linken Strukturen“ auf die Tagesordnung. Hier wäre es sinnvoll ein moderiertes Konzept zu verfolgen, dass einiger Vorbereitung bedarf um konstruktiv angewendet werden zu können. Auch eine Vordiskussion in Kleingruppen und eine Auswertung im Plenum wurde als Konzept erwähnt. Hierfür sollte sich auf der nächsten AVV eine Gruppe finden, die das Thema vorbereitet.

Wie auch auf den letzten AVVen wurde darum gebeten kommende AVVen an anderen Orten statt finden zu lassen. Dafür ist es aber notwendig in Frage kommende Orte vorher anzufragen. Da dies für die kommende AVV nicht passiert ist findet sie wieder im Bethanien statt.