Berlin: Protokoll der Autonomen Vollversammlung 12/2010

Am 13. Dezember 2010 fand in Berlin die monatliche Autonome Vollversammlung (AVV Berlin) statt. Im Bethanien fanden sich etwa 20 Personen zusammen, um über autonome Politik in Berlin zu reden, sich auszutauschen und zu vernetzen.Themen sollten diesmal die Analyse von Polizeistrategien und Aktionen dagegen, die Nachbereitung der Silvio-Meier-Demonstration und die Fragestellung „Wie erreichen wir die Masse?“ sein.

Zuerst wurden die kommenden Termine ausgetauscht. Diese sind auch unter http://stressfaktor.squat.net zu finden. Die Anti-Weinachtsdemonstrationen und Silvesterdemonstrationen wurden hier besonders hervorgehoben. Aber auch eine Veranstaltung in Köpenick, wo ein „Naziausteiger“ über Neonazistrukturen berichten würde, fand Aufmerksamkeit.

Dann wurde sich kurz über die aktuellen Themen ausgetauscht. Hierbei fiel der „Gemischtwarenladen für Revolutionsbedarf“ auf, und es wurde gefragt, wie dem Besitzer zu helfen ist. Auf den Laden, in dem sich noch zwei Menschen befanden, gab es ja bekannterweise einen Brandanschlag, der wahrscheinlich von Neonazis ausgeführt wurde. Auch kam zu Gespräch, dass ein Autonomer Kongress oder ein „Militanter Kongress“ in Berlin organisiert werden würde. Zumindest gab es darüber Gerüchte. Jedoch wusste niemand darüber genaues, sodass die Idee aufkam den Kongress doch selber zu organisieren. Darüber wird dann in der Autonomen Vollversammlung am 13. Januar 2011 diskutiert. „Soll die AVV einen Militanten Kongress organisieren?“, wird dann die Frage lauten. Auch, dass die Dezember-VV der Kampagne WBA ausfallen würde, wurde thematisiert. Dafür gäbe es dann im Januar eine Vollversammlung von „Wir Bleiben Alle“ in der Bödi 9.

WBA-Vollversammlung
27. Januar 2011 – 19 Uhr 30
Bödikerstrasse 9 (nahe S-Bhf. Ostkreuz)

Schliesslich wurde die Öffentlichkeitsarbeit der Autonomen Vollversammlung diskutiert. Kann die AVV sich mit einem Kongress wieder ins Gespräch bringen, fragten die einen. Andere meinten, dass die AVV einfach mehr beworben werden müsste. Aufgrund der geringen Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei dieser AVV, neinten einige, dass es keinen Sinn mache, über „die Vermassung unserer Proteste“ zu diskutieren. Auch wurde gefragt, ob die AVV wirklich eine E-Mailadresse brauche? Genauso kam die Frage auf, ob eine Mailingliste oder ein Mailverteiler eingerichtet werden solle. Hier wurden allerdings Sachen verwechselt, sodass eine Diskussion darüber kaum möglich war.

Nachbereitung der Silvo-Meier-Demonstration

Als Hauptthema wurde schliesslich die Nachbereitung der Silvio-Meier-Demonstration gewhlt. Viele waren mit der Geschlechtertrennung in der Demonstration unzufrieden. Vor der Demonstration gab es darüber Diskussionsrunden und dann noch einen Aufruf, in „geschlechterneutralen Jogginghosen“ zur Demonstration zu kommen.

Während der Demonstration gab es anscheinend massive Anfeindungen gegen die vorderen Frauenreihen. Es gab zwischen den vorferen Frauenreihen und hinten einen regelrechten „Cut“. So wurde von hinten in die Frauenreihen absichtlich geschoben und die Parolenrufe der vorderen Frauenreihen wurden hinten nicht übernommen. Es kam zu ekligen Pöbeleien und Anmachen, die sich u.a. in obszöner oder beleidigender Weise gegen die Frauenreihen und einzelne Frauen richteten.

Kritik kam aber auch aus reflektierten Kreisen. So wurde kritisiert, dass es keine „organisierten Frauenreihen“ gab. Dem widersprachen Teilnehmerinnen! Aus queerer Sicht wurde auch kritisiert, dass der Aufruf zu Frauenreihen Sterotype produziert. Von den meisten in der AVV wurde das Konzept gut aufgenommen und als Versuch gewertet etwas in die richtige Richtung zu verändern. Bedauert wurde lediglich, dass es keine Nachbereitung gab. Zu solchen Konzepten sollte öfter gegriffen werden, war in der Diskussion zu hören. Etablierte Konzepte, auch linke, nicht einfach so zu schlucken, sondern auch selbst daran etwas zu verändern, selbst zu agieren, schien einigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen der AVV wichtig. Mehr Kritik an der Szene aus queerer Sicht fanden viele gut. Aber „Hand in Hand“ wäre besser, also Mann, Frau und anders selbstdefiniert ZUSAMMEN. Jemand meinte, nur zu kritisieren wre nicht gut. Es müsste auch selbst organisiert werden. „Beispielsweise könnten wir selbst queere Blöcke in Demonstrationen organisieren.“, meinte diese Person weiter.

Auch die Musik wurde kritisiert. Eine Person meinte, dass sie nicht gut gefunden habe, dass Scooter gespielt wurde. Eine andere Person kritisierte, dass in der Demonstration nicht die Messerstechereien in der Gegend der Rigaerstrasse thematisiert wurden. Eine Meinung dazu war, dass darüber nicht geredet werden sollte. Eine andere Person fragte: „Sind wir die besseren Menschen?“ Sie meinte weiter, dass offener und viel reflektierter mit den eigenen Widersprüchen umgegangen werden müsse. Hiernach wurde positiv bemerkt, dass die vorzeitige Auflösung der Demonstration gut gewesen war. Ansonsten hätte es wohl mehr Festnahmen gegeben.

Organisierung der Autonomen Vollversammlung

Aus der gleichen Gruppe wurde wieder kritisiert, dass die Mailadresse der Berliner AVV auch für private Nachrichten genutzt wurde. An dieser Stelle wurde darauf verwiesen, dass dieses Thema schon letzte AVV geklärt wurde und die Mailadresse ursprünglich einen anderen Zweck hatte. Trotzdem wurde dieses Thema wieder diskutiert, und schliesslich festgestellt, dass sich kaum jemand an der Organisierung der Autonomen Vollversammlung in Berlin beteiligte. Wer sich an der Organisierung der AVV Berlin beteiligen möchte, kann dies tun und sich unter autonome_vollversammlung@riseup.net melden oder im DIY-Prinzip die Autonome Vollversammlung einfach selbst organisieren.

Dass von zwei Personen vorbereitete Thema zur „Analyse von Polizeistrategien und Aktionen dagegen“ wurde dann aus Zeitgrümden jedoch nicht mehr diskutiert. Hier wurde sich ein Bein gestellt. Was aber passieren kann, da aktuelle Themen oft vorbereitete Themen – der Aktuallitt wegen – den Platz nehmen. Vergessen wurde mal wieder die Finanzierung der Fahrten zu den AVVs in NRW und Hamburg zu reden.

Autonome Vollversammlung am 13. Januar 2011

Die nächste Autonome Vollversammlung in Berlin findet am 13. Januar 2011 im New Yorck (Bethanien) statt. Eingeladen sind alle, die sich für emanzipatorische Politik interessieren und sich autonom organisieren oder organisieren wollen. „Keine Neonazis, Repressionsorgane und Sexisten!“

Autonome Vollversammlung in Berlin
13. Januar 2010 – 19 Uhr 30
New Yorck (Bethanien)

Das New Yorck 59 ist in der Nähe des U-Bahnhofes Kottbusser Tor (U1/u8). Ihr müsst die Adalbertstrasse runtergehen und Ecke Waldemarstrasse könnt ihr schon das Bethanien sehen. Die genaue Adresse lautet Mariannenplatz 2A in 10997 Berlin-Kreuzberg .

Themen sind diesmal:

1) 1. Mai 2011 – Was ist in den letzten Jahren schlecht gelaufen und wie können wir es besser machen?

2) Autonomer Kongress 2011 in Berlin – Wollen wir als Autonome Gruppen und autonome Einzelpersonen dieses Jahr (2011) in Berlin einen bundesweiten militanten Kongress organisieren?

3) Demonstrationen in Berlin – Wie werden wir aktiver in den Aussenbezirken (z.B. Marzahn, Hohenschönhausen, Lichtenberg) und „reichen Gegenden“ (z.B. Kudamm, Grunewald)?

4) Selbstversorgung in der Großstadt – Wie können wir eine „Green Anarchy“ realisieren und uns unabhängig und umweltschonend + tierfreundlich selbstversorgen?

5) Terrmine und Aktuelles

WICHTIG !! WICHTIG !! WICHTIG !!

Da die Liebig 14 von der Räumung bedroht ist, werden wir zum grossen Teil über den kommenden Räumungsversuch reden und uns dagegen vernetzen. Die Liebig 14 hat einen schriftlichen Räumungsbescheid bekommen, indem die Räumung zum 02.02.2011 um 8 Uhr angesetzt wurde.

Mehr Informationen gibt es hier: http://liebig14.blogsport.de

WICHTIG !! WICHTIG !! WICHTIG !!

Wir wollen auch noch folgenden Termin loswerden, den wir für wichtig erachten.

Veranstaltungseinladung der Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft: Kriegsgesang:

Über den kommenden Aufstand

Das Pamphlet »Der kommende Aufstand«, das es sich zur Aufgabe macht, »ein bisschen Ordnung in die verschiedenen Allgemeinplätze dieser Epoche zu bringen«, erfreut sich hier wie auch in vielen anderen Ländern größter Beliebtheit, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Sogar die Bürgerpresse ist begeistert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meint gar, es »könnte das wichtigste linke Theoriebuch unserer Zeit werden«. Tatsächlich scheint mit diesem Buch erstmals seit langer Zeit das gesellschaftliche Elend in all seinen Facetten, von der Paarbeziehung bis zum Krieg, illusionslos ausgeleuchtet zu werden.

Mehr noch, das »Unsichtbare Komitee« belässt es nicht bei einer Bestandsaufnahme, sondern zieht praktische Schlussfolgerungen für einen radikalen Bruch. Um »ein bisschen Ordnung in die verschiedenen Allgemeinplätze« der Diskussion um das Buch zu bringen, soll in einleitenden Thesen gezeigt werden, warum dieser Anspruch nicht eingelöst wird. Anstatt sich mit den Schranken der gegenwärtigen Kämpfe zu konfrontieren, flüchten sich die Autorinnen in die Pose von Verschwörern. Weil letztlich nebulös bleibt, wie das gesellschaftliche Elend produziert wird, bleibt auch die Möglichkeit seiner Abschaffung im Dunkeln.

Montag, der 24. Januar 2011 – 19 Uhr 30
Versammlungsraum des Mehringhof
Gneisenaustraße 2 in Berlin-Kreuzberg