Berlin: Einladung zur AVV am 13.02.2011

Wir laden euch hiermit zur nächsten Autonomen Vollversammlung (AVV) in Berlin ein. Die Autonome Vollversammlung soll eine Diskussionsplattform für unerfahrene und erfahrene Leute bieten, die Anregegungen und Anschluss an autonome Politik finden oder sich weiterhin mit Leuten aus anderen Zusammenhängen austauschen wollen. Fernab von verknöcherten Strukturen möchten wir einen Anstoss geben, dass Menschen ein realistisches Bewusstsein für die sich ihnen umgebenen Verhältnisse entwickeln und sie in selbstverantwortlicher Aktivität zur Verbesserung ihrer Umwelt übergehen. Die Themen sollen diesmal die Kämpfe im Mittelmeerraum (Griechenland, Italien, Frankreich, Tunesien, Algerien, Ägypten) sein. Ein zweites angekündigtes Thema ist die Manipulation in und aus der linken Politik. Falls noch Zeit bleibt, dann können wir auch das vorbereitete und mehrfach verschobene Thema „Polizeitaktik“ diskutieren. Eigene Themen können zur AVV wie immer mitgebracht und dort diskutiert werden. Die Autonome Vollversammlung findet diesmal im New Yorck 59 (Bethanien) statt. Wie gewohnt am 13. im Monat (diesmal der 13. Februar 2011) ab 19 Uhr 30.

Auch diesmal wurde ein Flyer mit einer Auflage von mehreren tausend Stück verteilt. Auf der Rückseite widmen wir uns, wie in den letzten Monaten auch, aktuellen Repressionsfällen. Diesmal thematisierten wir dort die Repression gegen den emanzipatorischen Aktivisten Roland Ionas Bialke. Repression bedeutet nicht nur in ein Gefängnis gesteckt zu werden oder von der Polizistin einen Schlagstock auf den Kopf geschmettert zu bekommen, Repression hat auch andere Formen. Neben Repressionskosten von ca. 14.000 Euro sieht sich Roland einer FUD-Kampagne (Schmutzkampagne) ausgesetzt. Dadurch soll seine autonome, fast unkontrollierbare Aktivität gestoppt werden. Ist so eine Kampagne erst einmal in fahrt, dann beteiligen sich nicht nur der Staatsschutz, sondern auch Neonazis und Linke daran. Helft Roland, wo ihr nur könnt, und unterstützt seine Politik! FUD – Diese Methode der Zersetzung betrifft nicht nur Roland, sondern beispielsweise der unkontrollierbare Teil der Black Panther Party in den USA wurde auf diese Weise in wenigen Monaten zerstört und der Rest in kontrollierbare „etablierte Strukturen“ gespalten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fear,_Uncertainty_and_Doubt

Auch in den nächsten Monaten soll es Flyer mit hoher Auflage für die Autonomen Vollversammlungen geben. Wir denken jedoch, dass wir diese nicht mehr fast ausschliesslich in fast stagnierenden linken Projekten verteilen sollten, sondern in Betrieben, Lehranstalten und in den Briefkästen der in Berlin wohnenden Menschen. Eben dort, wo das Leben schlägt. Dafür brauchen wir aber noch sehr viele tatkräftige Menschen, die sich an unseren Verteilungsaktionen beteiligen. Wendet Euch dazu bitte an unsere E-Mailadresse!

Kämpfe im Mittelmeerraum

Niemand von uns kam in den letzten Wochen an diesem Thema vorbei. Im Mittelmeerraum bewegt sich was. Und auch schon in den letzten Jahren gab es Aufstände in diesen Gebiet. Doch um was wird da eigentlich gekämpft und wer kämpft da überhaupt? In Griechenland und in Italien formierten sich klandestine Gruppen, um mit Waffengewalt für eine „befreite Gesellschaft“ zu kämpfen. Um ihre Abgrenzung von verknöcherten linken Strukturen zu zeigen, gaben sie sich wahnwitzige Namen wie „Verschwörung der Kerne des Feuers“ – http://en.wikipedia.org/wiki/Conspiracy_of_Fire_Nuclei – oder „Revolutionäre Sekte“. http://en.wikipedia.org/wiki/Terrorism_in_Greece

Neben Brand- und Bombenanschlägen, gab es Verschickungen von „Paketbomben“, die für grosses internationales Medieninteresse sorgten, und die gezielte Tötung von Menschen. (z.B. Sokratis Guiolias) Auch gab es Demonstrationen bei denen Menschen zu Schaden kamen und sogar drei Menschen starben. Nach diesen Toten zerfiel diese Bewegung fast zu Staub und nachdem verschiedene Mitglieder der klandestinen Gruppen gefasst waren, führte sie die Gefangenschaft in die Ohnmacht der Bürgerlichkeit zurück. Einige Gefangene bezichtigten sich selbst schwerer Straftaten, andere liessen über die zuvor verhassten Medien berichten, dass es sich bei einigen Anschlägen um Aktionen von Gladio ähnlichen Strukturen handeln müsse.

Zum grossen Teil ging es bei den Massenprotesten in den europäischen Mittelmeerstaaten (z.B. Frankreich, Italien und Griechenland) um den Erhalt und den Ausbau bürgerlicher Privilegien. Es handelte sich also um Revolten. Eine Beteiligung der arbeitenden Klasse ohne Privilegien war jedoch nicht zu erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass es in grossen Teilen Europas keine arbeitende Klasse ohne bürgerliche Privilegien gibt. Wir sprechen hier von der europäischen Verbürgerlichung, die auf Kosten der arbeitenden Klasse in anderen Kontinenten geschah.

Welche Bedeutung hat das Mittelmeer?

Afrkanische und asiatische Menschen, die in ihrem Herkunftsort keine Privilegien geniessen oder durch den Dritten Weltkrieg und andere Kriege vertrieben wurden, wollen etwas von den Kuchen in Europa abhaben. Sie suchen dort ein besseres Leben und stossen nach oft langer und mühevoller Odyssee auf ein natürliches Hindernis – das Mittelmeer. In Europa wird hingegen alles getan, um diese Menschen fernzuhalten. Eine gemeinsame europäische Organisation wurde geschaffen, um operativ gegen „Eindringlinge“ mit gebündelten Kräften vorzugehen. (FRONTEX) Flüchtlinge werden festgenommen, in Lager gesperrt oder ertränkt. Ähnliches geschieht übrigens auch in den USA, nur das hier viele Flüchtlinge in der Wüste vor dem grossen Zaun verdursten.

Auch in den afrikanischen Ländern am Mittelmeer (z.B. Ägypten, Tunesien und Algerien) handelt es sich um einen Aufstand des Bürgertums (Revolte). Menschen ohne Privilegien sind so gut wie garnicht an den Auseinandersetzungen beteiligt. Die fast eine Millionen obdachtlose Flüchtlinge in Ägypten, die wie Leichen auf den ägyptischen Friedhöfen schlafen, nützt es nichts, wenn sich etwas für den ägyptischen Bürger oder der ägyptischen Bürgerin ändert. Sie haben nicht die Privilegien der ägyptischen Menschen, keine Arbeitslosenhilfe, keine Rente, keine Krankenversicherung und auch keine kostenlose Schule für die Kinder.

Gegen die Revolte – Warum?

In einem System, ohne Gegenwehr der Herrschenden, gleichen sich nach dem Gesetz der Arbitrage die unterschiedlichen Märkte an. Das heisst vereinfacht, dass wenn in Europa etwas 10 Cent teurer wird, dann wird das gleiche Produkt in Afrika um 10 Cent preiswerter. Unter anderem durch Gesetze, Kriege und Grenzen versuchen die Herrschenden in Europa aber die Unterschiede der Märkte aufrecht zu erhalten. Wenn in Europa nun das privilegierte Proletariat (Bürgertum) revoltiert, gegen Preiserhöhungen und gekürzte Sozialleistungen in Europa kämpft, dann ist das der Schlag ins Gesicht der afrikanischen Emanzipation.

Die Revolte, also das Aufbegehren des Bürgertums zum Erhalt und Ausbau der eigenen Privilegien, ist Konterrevolution! Eine Revolution hingegen kann nur durch die Bewusstseinsveränderung eines jeden Menschens in ihrer Gesamtheit enstehen. „Die Grenze verläuft nicht zwischen Unten und Oben, sondern zwischen Dir und mir!“ Die europäische Zivilisation hat schon genug Schaden in den „Kolonien“ und jetztigen „unabhängigen Staaten“ anerichtet. Eine Option sich revolutionär zu bewegen, ist es, sich dem bewaffneten Kampf gegen das Europäische Bürgertum in Akrika, Asien und Südamerika anzuschliessen. Alles andere ist inkonsequent.

Bringt bitte soviel Material über die Kämpfe im Mittelmeerraum mit, wie ihr finden könnt. Wir wollen alles zusammentragen, diskutieren und unsere eigenen Gedanken in diese tötlichen Konflikte einbringen! Berichtet von euren Erfahrungen in den genannten Ländern, sagt uns was dort im Moment läuft und verfasst Diskussionspapiere. Warum wurde in Deutschland solange geschwiegen?

Manipulation in der Linken

Ein weiteres Thema soll die Manipulation in den „linken Szenen“ und aus den „linken Szenen“ heraus sein. Wir wollen zusammentragen, wo wir manipuliert haben. War es die Teilnehmer- und Teilnehmerinnenzahl von unseren Veranstaltungen, die wir hochlogen, oder waren es bewusst weggelassene Tatsachen, um etwas „Solidarität“ zu erhaschen? Sind die Begriffe mit denen wir operieren überhaupt reflektiert, d.h. wissen wir was sie bedeuten?? Warum nennen wir z.B. etwas „Solidarität“, wenn wir wissen, dass es sich dabei um „Subsidiarität“ handelt?

Angefangen von der (Sitz-)Verteilung von Gruppen in Plena, über Informationskontrolle einer Szene, bis zu taktischen Fragen oder dem Rausdrängen von Menschen mit einer anderen Meinung aus Gruppenzusammenhängen. Warum betreiben wir einerseits einen Gruppenfetisch, obwohl wir uns andererseits von einzelnen Führungspersonen dominiert sehen und erkennen, dass die Bedürfnisse jeder einzelnen Person wichtige Faktoren in politischer Arbeit sind? Warum erzählen wir anderen von unseren Konsens, wenn es überhaupt keinen Konsens geben kann

Und wie schaffen wir es authentisch zu sein und ein ehrliches Vertrauenverhältnis aufzubauen? Wenn Tratsch vorherrscht und das poitive Klima in Plena nur hohle Fassade ist, was unterscheidet uns dann von der Politik nicht-emanzipatorischer Menschen? Wie schaffen wir es kapitalistische Verhaltensweise trotz guter Vorsätze nicht zu reproduzieren?

Warum ist der Aktivitätsgrad (Militanz) unserer Aktionen so gering, unsere Aktionen und Kampagnen so kurzlebig und so wenig radikal? Belügen wir uns da nicht selbst? Wenn wir beispielsweise „Wir Bleiben Alle“ rufen, und wissen, dass wir gehen werden, warum rufen wir dann solche Parolen? Und was hat das für eine Wirkung nach innen uns aussen? Nehmen wir das Beispiel „Flughafen Tempelhof“: Warum haben wir mit dem Besetzungsversuch hunderte Menschen gefährdet, wenn nun nichts mehr dazu kommt? Bleiben wir ewig an Symbolen hängen oder ändern wir auch mal etwas?

Weitere Themen

Wir hatten das Thema „Polizeitaktik – Analyse und Gegenmassnahmen in Theorie und Praxis“ vorbereitet und verschoben. Wenn noch Zeit für dieses Thema bleibt, dann kann das diskutiert werden. Einen Vorbereitungstext könnt ihr hier finden: http://avvberlin.blogsport.de/2010/11/27/vorbereitungstext-zur-avv-november-und-dezember-2010-auszug/ – Ansonsten können auch wieder eigene Themen mitgebracht und angesprochen werden.

Termine und Aktuelles

Für Termine in Berlin ist es ganz sinnvoll in den Stessfaktor – siehe: http://stressfaktor.squat.net – zu schauen. Trotzdem macht es auch oft Sinn einen Termin persönlich übermittelt zu bekommen und sich kurz darüber auszutauschen. Darum wird auch in dieser AVV Platz dafür gefunden.

Die nächste Autonome Vollversammlung findet am 13. Februar 2011 im New Yorck 59 (Bethanien) ab 19.30 Uhr statt! Das New Yorck 59 ist in der Nähe des U-Bahnhofes Kottbusser Tor (U1/U8). Ihr müsst die Adalbertstrasse runtergehen und Ecke Waldemarstrasse könnt ihr schon das Bethanien sehen. Die genaue Adresse lautet Mariannenplatz 2A in 10997 Berlin-Kreuzberg .

autonome_vollversammlung@riseup.net

http://avvberlin.blogsport.de

Wichtig

Die Autonome Vollversammlung (AVV) ist nicht die Vollversammlung der autonomen Gruppen und Einzelpersonen! Das wäre auch ein Widerspruch. DIe Autonome Vollversammlung ist eine Vollversammlung, die autonom, d.h. selbstverantwortlich, organisiert. Willkommen sind alle, die etwas verändern wollen und sich für selbstverantwortliches Handeln interessieren. Ausgeschlossen davon sind rassistische und sexistische Menschen. Ebenso ausgeschlossen sind Angehörige von Repressionsorganen!

Die Autonomen Vollversammlungen bzw. Versammlungen für autonome Politik gibt und gab es in vielen Städten und Regionen. So z.B. in Hamburg, NRW, Bremen, Berlin und Köln. Wir freuen uns, wenn ihr auch in eurer Stadt oder Region Autonome Vollversammlungen gründet!

Für mehr revolutionäre Zellen!!

Lebt und lest radikal – https://radikalrl.wordpress.com


1 Antwort auf „Berlin: Einladung zur AVV am 13.02.2011“


  1. 1 Georg Ka 12. Februar 2011 um 19:09 Uhr

    Das Selbstverständnis der Linken war nie einfach und gerade jetzt wo die Regierung bestehende Vorurteile geschickt gegen uns richtet braucht man auch eine Selbstvergewisserung. Links sein darf langfristig kein Selbstzweck werden der nur Aktionismus nach sich zieht.

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